Philippinen

 

Überblick

Die philippinische Inselwelt scheint auf den ersten Blick nicht gerade zum Radfahren prädestiniert. Doch ist Radfahren auf Luzon und einigen anderen Inseln gut möglich, wenngleich es dabei oft über sehr bergiges (!) Land geht und die Straßen meist nicht übermäßig gut sind. Es gibt auf den philippinischen Inseln herrliche Fleckchen, Traumstrände, gutes Essen, die Menschen sind freundlich und der für das Land wichtige Tourismus hat überall genügend preiswerte Hotels geschaffen.

Die Filipinos sind überwiegend malaiischen Ursprungs, daneben leben noch Chinesen, Inder und viele ethnische Minderheiten auf den Inseln. Es gibt zwei Amtssprachen, Englisch und Pilipino. Pilipino wurde aus dem Tagalog auf Luzon abgeleitet und soll die Verständigung im gesamten Inselreich erleichtern (insgesamt zählte man 988 verschiedene Sprachen). Als einzige Nation in Asien sind die Filipinos überwiegend christlichen Glaubens. Naheliegend also, dass die Philippinen stark europäisch-amerikanisch ausgerichtet sind. Ein entscheidender Vorteil des Landes ist, dass der überwiegende Teil der Filipinos Englisch spricht und somit die für einen Radfahrer wichtige tägliche Kommunikation keinerlei Probleme verursacht.

Geografie, Klima und Reisezeit

Die Philippinen sind flächenmäßig etwa so groß wie Italien, bestehen aber aus 7107 Inseln, von denen nur ca. 860 bewohnt sind. Luzon mit der Hauptstadt Manila im Norden und Mindanao im Süden sind die beiden größten Inseln des Archipels, andere messen nicht einmal einen Quadratkilometer. Alle sind vulkanischen Ursprungs und die Gipfel eines unterseeischen, von Nord nach Süd verlaufenden Gebirges. Nur auf Luzon und Mindanao findet man einige breitere Täler entlang der Flüsse, die Topografie der restlichen Inseln ist durchweg gebirgig und steigt bis auf 2954 m an (Mt. Apo auf Mindanao).

Mehr als 20 Vulkane sind auch heute noch aktiv; Vulkanausbrüche und Erdbeben stellen eine alltägliche Gefahr dar. Bei Redaktionsschluss dieses Buchs (Dez. 2009) stand ein Ausbruch des Mayon unmittelbar bevor; nicht zum ersten Mal mussten 30.000 Menschen im Umkreis evakuiert werden. Und die Eruption des Pinatubo 1991 (http://de.wikipedia.org/wiki/Pinatubo) war eine der gewaltigsten des 20 Jahrhunderts mit messbarem Einfluss auf das gesamte Weltklima.

Das Klima ist tropisch, schwül-heiß mit ausgeprägter Regenzeit (Südwest-Monsun) von Juni bis Oktober. Überschwemmungen sind möglich, Gefahr von Taifunen. An der Westküste (Manila) bringt der Nordost-Monsun nur geringe Niederschläge, während an der Ostküste (Davao) ganzjährig ein humides Klima herrscht. Beste Radelsaison ist die Trockenzeit von Dezember bis Mai; die berühmten Reisterrassen rund um Banaue (www.philsite.net/banaue.htm) sind im März und April am fotogensten.

An- und Einreise, Währung

Der int. Flughafen von Manila ist die Drehscheibe für Flüge aus aller Welt. Cebu City und Davao/Mindanao bedienen eher den innerasiatischen Markt. Die nationale Interkontinental-Fluggesellschaft heißt Philippine Airlines (www.philippineairlines.com). Interessant sind die mehrmals wöchentlichen Flüge von Davao nach Manado auf Nord-Sulawesi/Indonesien (das indonesische Visum gibt’s bei der Einreise) – ihr könntet dann über Sulawesi und die Sunda-Inseln Richtung Bali radeln, optimale Reisezeit Mai bis Oktober, weiteres s. „Indonesien“.

Für die Philippinen besteht keine Visumpflicht. Bei der Einreise wird eine Aufenthaltsgenehmigung für 21 Tage erteilt; eine (gebührenpflichtige) Verlängerung auf max. 59 Tage ist beim „Philippine Bureau of Immigration and Deportation“, Intramuros, Manila oder bei den Regionalbüros in Cebu City und Davao möglich.

Währung ist der Philippinische Peso. Bare US$ und ggf. Travellercheques werden von Banken und Wechselstuben überall problemlos getauscht. Sehr viele Bankautomaten (VISA, MasterCard), auch Bargeld-Auszahlung auf Kreditkarten ist möglich.

Gefahren, Gesundheit

Entführungen, Vulkanausbrüche, Erdbeben, bewaffnete Auseinandersetzungen mit Separatisten, Bombenanschläge, ab und zu Taifune und die alltägliche Kleinkriminalität in den Touri-Zentren – oft genug stehen die Philippinen in den Schlagzeilen der Weltpresse. Reiseradler sollten genau die Sicherheitshinweise auf www.auswaertiges-amt.de checken! Aktuell (Anfang 2010) besteht eine Reisewarnung für Mindanao wegen Anschlägen der islamistischen „Moro Islamic Liberation Front“ (MILF) und der „Abu Sayyaf Gruppe (ASG)“. Auch  Entführungen hat es gegeben.

Fährüberfahrten sind wegen starker Strömungen und plötzlicher Wetterumschwünge nicht ungefährlich, es gab schon einige schwere Fährunglücke. Plant ihr Fahrten mit Auslegerbooten, solltet ihr bei Schlechtwetterprognosen den Trip verschieben!

Teile der Philippinen sind Malariagebiet; dazu und zu empfohlenen Impfungen s. wie immer bei www.fit-for-travel.de. In Manila sowie in anderen größeren Städten gibt es immerhin eine ordentliche medizinische Versorgung und gut bestückte Apotheken.

Übernachten, Verpflegung

Übernachten stellt generell kein Problem dar, es gibt eine weite Bandbreite von Billigsthotels bis hin zu Nobelschuppen. Viele Hotels der unteren Preiskategorie fungieren allerdings auch als lokales Bordell, nervtötende Karaoke-Bars in der Nachbarschaft sind ein weiterer Grund, vorab gezielt auszuwählen. In den Städten gibt es auch einige Backpacker’s (siehe www.hostels.com). In kleinen Orten wird man auch mal bei Privatleuten unterkommen können; ein Zelt ist verzichtbar.

Amerikanische Truppen, Einwanderer und ethnische Minderheiten haben allerorten ihre kulinarischen Spuren hinterlassen. In Touristenorten und größeren Städten werdet ihr die ganze Bandbreite vom Standard-Travellerfood über die chinesische, malayische u.a. bis hin zur einheimischen Küche genießen können. Reis kommt immer auf den Tisch, dazu Fisch, Hühnchen, Rind- oder Schweinefleisch. Beliebt sind auch Fleischspieße. Nationalgericht ist Adobo, ein süß-saurer Fleischeintopf mit Huhn oder Schwein und recht viel Knoblauch. In den Garküchen – sie heißen „Carinderia“ – könnt ihr in die Töpfe schauen und auswählen. Märkte bieten leckere Früchte in großer Vielfalt. Das Leitungswasser ist stark gechlort, Trinkwasser in Flaschen aber überall erhältlich, dazu Limos in allen Sorten und Farben und auch recht gutes Bier („San Miguel“). In Großstädten findet ihr gut sortierte Supermärkte. Bei Touren auf Nebenstrecken sollte man zumindest Proviant für einen Tag bunkern.

Generell gilt: Feilschen ist angesagt, denn meist ist das erste Angebot auf Märkten, für Hotelzimmer, Transport u.v.m. stark überhöht.

Fahrrad, Ausrüstung

Kein Filipino würde in Anbetracht der hügeligen Topografie auf die Idee kommen, mit dem Fahrrad zum nächsten Markt radeln zu wollen – gibt es dazu doch überall die klapprig-bunten, den US-amerikanischen Armeejeeps nachempfundenen „Jeepneys“. Radfahren wird nur als Sportart betrieben, und das hauptsächlich auf den relativ gut asphaltierten (und ebenen) Highways rund um Manila. Radgeschäfte werdet ihr dann auch nur hier finden (Rennradler fragen). Das Radeln in den Städten ist laut, nervig und gefährlich, vor allem die zahllosen Jeepneys sorgen mit riskanten Fahrmanövern für brenzlige Situationen. Der Radler findet sich, eingehüllt in Dieselqualm, mit Fußgängern, Hühnern und Hunden auf der untersten Stufe der Verkehrshierarchie wieder und wird entsprechend behandelt (s. „Radfahren im Straßenverkehr Südostasiens“, Seite ###). Euer Rad sollte robust und einfach zu warten sein, am besten bringt ihr alle erforderlichen Werkzeuge und Ersatzteile mit. Für steinige Pisten breite Reifen aufziehen. Unbedingt empfehlenswert ist ein Rückspiegel.

Eigentlich kann man auf den Inseln mit leichtem Gepäck touren. Zelt, Schlafmatte und Kochausrüstung bleiben zuhause, ein leichter Schlafsack reicht bei den Temperaturen allemal und ein Moskitonetz sorgt für ruhigen Schlaf. Schützt eure Kamera vor feinem Staub, der in der Luft hängt und vor allem bei Pistenfahrten aufgewirbelt wird. Auf der Seite www.philippinecycling.com gibt es alle möglichen Links für Philippinen-Radler, von „Shops“ bis zu „Bike Clubs“ und „Tips“, auch auf www.filipinolinks.com (unter „Sports“ und „Cycling“.

Straßen, Verkehr, Transport

Zumindest auf den beiden größten Inseln Luzon und Mindanao rollt man gelegentlich auf glattem Asphalt, das restliche Straßennetz besteht aus Betonplatten in allen Stadien der Auflösung sowie Stein- und Staubpisten. Die Großstädte, allen voran Manila, sind Radlers Alptraum. In den Vororten nimmt der Verkehr aber schon spürbar ab, und auf den kleineren Inseln werdet ihr nur ab und zu von einem Jeepney eingestaubt werden.

Transport: Die Jeepneys holpern selbst in die hintersten Winkel der Inselwelt, Radtransport ist kein Problem, der Fahrpreis Verhandlungssache. Überlandbusse bewältigen die größeren Strecken auf Luzon und Mindanao. Vor allem zwischen Luzon und Cebu verkehren recht moderne Schnellfähren (www.cebuferries.com). Eigentlich alle bewohnten Inseln sind mit Fähren oder einfacheren Booten erreichbar, Radmitnahme immer möglich. Zu abgelegeneren Zielen können auch private Boote, sog. „Bankas“, gemietet werden. Info mit Fahrplänen, Tarifen etc. unter www.supercat.com.ph und www.wgasuperferry.com.

Manila ist, wie erwähnt, die Drehscheibe des gut ausgebauten Flugnetzes. Die Bahngesellschaft „Philippine Nat’l Railways“ (http://en.wikipedia.org/wiki/Philippine_National_Railways) betreibt mit Hauptknotenpunkt Manila ein über 1000 km langes Streckennetz auf Luzon; Radtransport sollte möglich sein. Die Wikipedia-Seite bietet hier mehr Info als die offizielle Homepage www.pnr.gov.ph. Alles zum Thema Transport auf den Philippinen inkl. Busgesellschaften und Flughäfen mit entsprechenden Links auf der englischen Version von Wikipedia (http://en.wikipedia.org/wiki/Transportation_in_the_Philippines#Railways).

Routen, Touren, Radler-Infos

Für die meisten Biker wird Manila der erste Berührungspunkt mit den Philippinen sein. Eine mögliche Reiseroute ab Manila ist im schon in die Jahre gekommenen und nur noch antiquarisch erhältlichen Buch von Frank Mrotzek beschrieben (s.u.). Erste Ansprech-Adresse für potentielle Philippinen-Radler ist aber das Bugoy-Team (www.bugoybikers.de), eine Tour-Agentur in Cebu City, geführt durch den Deutschen Jens Funk. Der lebt seit 2002 vor Ort, ist sehr hilfsbereit und hat einen prima Radführer geschrieben (s. unten). Leider sind die Philippinen absolut zu Unrecht ein von Rad-Toureros bislang eher selten angegangenes Ziel – selbst im WorldWideWeb lässt sich kaum mehr finden als ein paar gewerbliche MTB-Verleiher.

Eine kürzere Tour könnte von Manila zu den Reisterrassen um Banaue und zum „Hundred Islands National Park“ führen. Oder ihr beradelt die „Visayas“ genannte Inselwelt zwischen Luzon und Mindanao. Ob wilde Mountainbike-Pisten, palmengesäumte Feinsand-Strände, landschaftliche Highlights wie die Chocolate Hills auf der Insel Bohol oder wunderbare Tauchreviere – es gibt vieles zu entdecken! Ein Geheimtipp, weniger für Radler, aber für Fans von Traumstränden ist die Inselgruppe Palawan (http://de.wikipedia.org/wiki/Palawan). Die Philippinen sind und bleiben ein sehr beliebtes internationales Tourismus-Ziel, auch wenn sie von der Radlerwelt bislang kaum entdeckt wurden.

Bücher, Karten, Internet

Reiseführer: Bewährt und gut ist das „Philippinen Reise-Handbuch“ von Jens Peters im gleichnamigen Verlag; sicher der beste Philippinen-Führer in deutscher Sprache. Empfehlenswert auch der Lonely Planet „Philippines“ sowie das „Philippines Handbook“, Moon Travel Handbooks. Hilfreich sind die Kauderwelsch „Tagalog (Pilipino)“ und „Cebuano (Visaya)“ von Reise Know-How. Radbücher: Funk/Langevoord: „Cycling Philippines“, pro literatur (auf Englisch, allseits empfohlen, erhältlich über www.bugoybikers.de, s. oben). Frank Mrotzek hat mehrere Inseln der Philippinen durchradelt, u.a. Luzon, Mindoro, Panay, Negros, Cebu, Bohol und Mindanao. Nachzulesen in seinem Buch „Auf nach Asien!“, Reise Know-How (vergriffen, über www.zvab.de probieren). Karten: RKH „Philippinen“, 1:1,2 Mio. Nelles „Philippines“, 1:1,5 Mio, ITM-Karte 1:1,2 Mio. Für GPS siehe http://roadguide.ph („Free Mapping Community“).

Internet-Infos: Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Philippinen) ist wie immer gut, mit speziellen Infos zu jeder Insel und einer Menge Links. Sehr gut auch die Website von Jens Peters, der den o.g. Reiseführer herausgibt (www.travelphil.com). Die philippinische Botschaft in Berlin erreicht man unter www.philippine-embassy.de. Unter www.philippinenforum.net firmiert, wie schon der Name sagt, ein Forum, wo man (nach Anmeldung) speziellere Fragen loswerden kann; desgleichen unter www.philippinenportal.com. Tagesaktuelle Nachrichten, Veranstaltungen und mehr bietet die Website der englischsprachigen Tageszeitung „Philippine Star“, www.philstar.com. Ein neuerer Radler-Reisebericht über die Philippinen findet sich auf der Website http://blog.erikabaumann.ch.

  

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Stand: 09.06.2010